Maat-ka-Ra Hatschepsut

Das Sonnenheiligtum auf der 3. Terrasse des Tempels Djeser djeseru

update: 30.03.2011


Das Sonnenheiligtum besteht aus einem überdachten Vestibül, auch als "Nachtkapelle der Sonne (Night-Sun Chapel)" bezeichnet wird, und einem offenen Hof mit dem Sonnenaltar.
Das dominierende Element des Sonnenheiligtums ist der Sonnenhof mit dem freistehenden Altar für Ra-Horakhti im Zentrum, zu dessen Plattform eine Treppe im Westen hinaufführt (siehe Foto unten).
Die Wände zur nördlichen Kapelle des Amun und zum Hof der 3. Terrasse sind durch je eine Nische gekennzeichnet. Die Überreste einer dritten Nische in der Nordwand wurden bei den Ausgrabungs- bzw. Restaurationsarbeiten entdeckt. Hatschepsut hat diese dritte Nische vermutlich abgerissen, als sie die Obere Anubis-Kapelle errichten ließ (Szafrañskj, 2001).


Oben der Sonnenaltar vom Vestibül (Position 11 im Grundriss des Tempels) aus gesehen. Rechts der Eingang zur Oberen Anubis-Kapelle, gegenüber an der Westwand und links an der Südwand die beiden Nischen.

Blick auf den Sonnenaltar von der Mauer aus, die den Sonnentempel vom Hauptteil der 3. Terrasse trennt. In der rechten oberen Ecke erkennt man die Mauer- und Säulenreste der "Nachtkapelle der Sonn (Vestibüls)".

Baugeschichte
Wyzocki (MDAIK 43, 1987, und MDAIK 48, 1992) war der Erste, der versucht hat, auf Basis der Untersuchungen der polnischen Mission eine Baugeschichte zu erstellen. Seiner Interpretation nach durchlief die Entwicklung des Sonnenheiligtums 2 Phasen mit mehreren Planungsstufen:
- die 1. Phase wurde lt. Wysocki nur teilweise durchgeführt. Danach war die Nördliche Kapelle des Amun der einzig umbaute Raum auf der nördliche Seite des Festhofes. Eine Kolonnade mit einem äußeren Umgang (Ambulatorium) auf der Süd-, Ost-, und Nordseite entlang der geplanten Wände des Sonnenheiligtums wurde nicht umgesetzt.
- in der 1. Stufe der 2. Ausbauphase wurde ein Hof oder eine Säulenhalle östlich der Nördlichen Kapelle des Amun vorgesehen, mit je einem Zugang von der Kapelle des Amun und von der "Nachtkapelle der Sonne". Bei Umsetzung dieses Planes hätten 12 Säulen vor der Oberen Anubis-Kapelle gestanden - zu diesem Zeitpunkt wohl ein beeindruckendes Element des Festhofes.
- in der 2. Ausbaustufe des 2. Phase wurde der Plan für eine Säulenhalle zugunsten eines offenen Hofes verworfen, gleichzeitig wurde die "Nachtkapelle der Sonne" errichtet.
- in der 3. Ausbaustufe wurde der Sonnenaltar und seine Treppe vergrößert (siehe Foto unten)..


Die Untersuchungen des Sonnenaltars durch die polnischen Ausgräber ergab, dass der Altar vergrößert worden ist, wobei, wie das obige Foto zeigt, der vorhergehende Altar überbaut wurde.

Die jüngeren Untersuchungen der polnischen Archäologen ergab jedoch, dass sich die Vorstellungen von Wysocki nicht halten ließen (Karkowski, 2003).
Nach den jüngeren Untersuchungen war für die Nordseite des Festhofes von Beginn an ein offener Hof mit Altar und eine überdachte "Nachtkapelle der Sonne" vorgesehen.
Die Planung wurde nur geringfügig modifiziert, eine der bedeutenderen Modifikationen war die Ergänzung der Oberen Kapelle des Anubis, andere andere die mehrfache Verlegung der "Nachtkapelle der Sonne", zuerst von der ursprünglich vorgesehenen Ost- auf die Westseite und dann wieder zurück auf die Ostseite des Sonnenhofes. In der Regel bedeuteten die Modifikationen den Abbruch bereits stehender Wände.
Die Modifikation des Sonnenhofes durch die Errichtung der Oberen Kapelle des Anubis datiert vermutlich in die späteren Jahre der Regierungszeit der Hatschepsut, denn deren Dekoration schließt auch die Darstellung von Thutmosis I. ein.
Nach den Untersuchungen der polnischen Archäologen ersetzte Thutmosis I. schon während der Herrschaft der Hatschepsut Darstellungen der Neferu-Ra in drei Fällen. Dies wird damit in Zusammenhang gebracht, dass die Quellen nach dem 11. Regierungsjahr der Königin zu Neferu-Ra schweigen.
Andererseits könnte das vermehrte Auftreten von Thutmosis I. in der Dekoration des Tempels auch mit der Unterbringung seiner Mumie in KV20 zusammenhängen (Karkowski, loc. cit., S. 48) - wenn man davon ausgeht, dass nicht KV20 sondern KV38 sein ursprüngliches Grab war.

Sicher ist lediglich, dass in diesem Teil der 3. Terrasse nur die Dekoration der Oberen Anubis-Kapelle und die der "Nachtkapelle der Sonne" vollständig ausgeführt worden sind.
Die Wände des Sonnenhofes waren nur noch grob durch Meißelschläge geglättet, aber nicht mehr poliert worden. Eine Dekoration der Wände wurde nicht durchgeführt.
Die Dekoration der beiden Nischen wurde ebenso wenig farbig ausgeführt, wie der Text am Sonnenaltar.
 


Nischen
Die südliche Nische beginnt 164 cm über dem Pflaster des Sonnenhofes, die westliche Nische 158.5 cm. Die Nischen waren bisher unpubliziert, die folgenden Angaben stammen aus Karkowski (2003).
In der inneren Türlaibung der östlichen Seite findet sich eine verblasste, unfertige Darstellung des anbetenden Senenmut, wie man sie auch von anderen Bereichen des Tempels kennt. Die 30 x 25 cm große Figur des knienden Senenmut blickt nach außen, zum Sonnenaltar.
Die Ostwand der Nische zeigt eine Darstellung der Hatschepsut (78x105 cm, 54 cm oberhalb des Pflasters der Nische), die vor einem Tisch mit Opfergaben sitzt. Ihr gegenüber vollzieht ein Iunmutef-Priester Kulthandlungen. Die Darstellung der Königen, ihres Thrones, des Podestes, auf dem der Thron steht, und die Inschrift über wurden weitgehend zerstört. Der Iunmutef-Priester wurde ebenfalls zerstört, später aber wieder restauriert.
Die Südwand zeigt (die zerstörte Figur der) Hatschepsut (79.5x105 cm, 56.5), die von Amun-Ra vor Re-Horakhty präsentiert wird, der ihr Schutz gewährt.
Die Westwand zeigt eine fast identische Darstellung (77.5x107 cm, 53.5 cm oberhalb des Pflasters der Nische)wie die Ostwand, die ebenfalls teilweise zerstört worden ist.

Die westliche Nische zeigt auf der Südwand wieder eine inthronisierte Hatschepsut vor einem Opfertisch (75x114.5 cm). Ihr gegenüber vollzieht ein Iunmutef-Priester Kulthandlungen. Die Darstellung der Königin ist vollständig zerstört, ihr Thron erhalten. Die Darstellung des Iunmutef-Priesters wurde zerstört und wieder restauriert.
Die Westwand der Nische zeigt (die zerstörte Darstellung der) Hatschepsut (77.5x55 cm), die von Amun-Ra vor Ra-Horakhty präsentiert wird, der ihr Schutz gibt. Die Szene ist ein Spiegelbild der Szene in der südlichen Nische.
Die Nordwand zeigt, mit geringen Unterschieden zu den anderen Darstellungen dieser Art, wieder eine inthronisierte Hatschepsut vor einem Opfertisch (78x110 cm). Ihr gegenüber vollzieht ein Iunmutef-Priester die Kulthandlungen. Die Figur des Iunmutef-Priesters wurde in der Amarna-Periode beschädigt.
 

Bei den Ausgrabungen wurden auch einige Blöcke der beim Bau der Oberen Anubis-Kapelle abgerissenen Nische der Nordwand gefunden. Die erhaltenen Reste der Dekoration zeigen, dass auch die Nische nach dem gleichen Schema dekoriert worden war. Reste der Seitenwände zeigen einen Iunmutef-Priester vor einem Tisch mit Opfergaben, Reste der Rückwand zeigen einen König, der von einem Gott umarmt wird.
 

Nachtkapelle der Sonne (Vestibül)
Die Rekonstruktion der "Nachtkapelle der Sonne" ergab, dass die Kapelle überdacht und vom Sonnenhof durch eine Wand getrennt war. In diese Wand  waren möglicherweise auf beiden Seiten des Tors zum Sonnenhof zwei weitere Nischen eingelassen worden, die wie die anderen im Hof nur vom Hof aus erreichbar waren. Mindestens drei Säulen trugen das Dach.

Die östliche Wand war mit mindestens 2 Szenen dekoriert, in denen Hatschepsut als Priesterin des Sonnengottes fungierte. Die Dekoration bezieht sich auf die Nachtfahrt der Sonne, von der 1. Stunde der Nacht nach Sonnenuntergang im Westen bis hin zur Morgendämmerung und Sonnenaufgang im Osten.
Auf der nördlichen Wand findet sich die Königin vor Amun, erhalten sind jedoch nur noch beider Beine (siehe folgendes Foto).

Blick von oben in die "Nachtkapelle der Sonne" des Sonnenheiligtums. Auf der nördlichen Wand findet sich die Königin vor Amun (nur die Beine sind noch erhalten). Die "Nachtkapelle der Sonne" war mit einer beidseitig geböschten Mauer vom Sonnenaltar getrennt.

Nische der Nachtkapelle der Sonne
In der östlichen Seite der Nordwand findet sich eine Nische (Öffnung 152x82 cm), ca. 138 cm über dem Pflaster der Kapelle.
Die Laibungen der Nische tragen die Königstitulatur, die Inschrift wurde zerstört und teilweise restauriert, wobei die Namen der Hatschepsut entfielen.
In der inneren Türlaibung der westlichen Seite findet sich eine weitgehend ausgehackte Darstellung des anbetenden Senenmut, wie man sie auch von anderen Bereichen des Tempels kennt. Die 111 x 33 cm große Figur des knienden Senenmut blickt nach außen, in die Kapelle. Die Begleitinschrift ist komplett unleserlich.
Die innere Türlaibung der östlichen Seite zeigt eine spiegelbildliche, ebenfalls zerstörte Darstellung (110x26 cm) des Senenmut, der auch hier aus der Nische heraus in die Kapelle schaut.

Die Dekoration folgt dem Schema der Dekoration der Nischen des Sonnenhofes, d.h. auf den Seitenwänden wurde jeweils eine inthronisierte Hatschepsut vor einem Tisch mit Opfergaben dargestellt, ihr gegenüber vollzieht ein Iunmutef-Priester die Kulthandlungen.
Die Nordwand (Rückwand) zeigte Hatschepsut (vollständig zerstört), die von Amun umarmt wurde. In der Zeit nach Amarna wurde die Figur Amuns restauriert, wobei wie Darstellung verändert wurde, da man die Figur der Hatschepsut nicht restauriert hat.
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3. Portikus und obere Terrasse

Hauptkapelle für Amun-Ra

Kapellen für Hatschepsut und Thutmosis I.

südliche Kapelle für Amun-Ra

nördliche Kapelle für Amun-Ra


obere Anubis-Kapelle


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