Maat-ka-Ra Hatschepsut

last update: 25.02.2010
 

Karnak - 8. Pylon

 

Südansicht des 8. Pylonen. Der Pylon ist der erste Bau im antiken Ägypten, der komplett aus Sandstein errichtet wurde.


  Auf dem Prozessionsweg nach Süden zum Luxor-Tempel wurde unter Hatschepsut noch der 8. Pylon errichtet oder - da dieser möglicherweise bereits von ihrem Vater, Thutmosis I., oder ihrem Gatten, Thutmosis II., begonnen wurde - vollendet.

Die Dekoration des Pylonen ist wahrscheinlich ans Ende ihrer Regierungszeit zu datieren (Martinez, "Le VIIIe pylone", zitiert nach Loeben, 2001). Dafür spricht auch die Schreibweise des Thronnamens von Thutmosis III., "Men-kheper-ka-Ra" (siehe Foto links), die dieser nach den Untersuchungen von Brovarski (JEA 62, 1976) nur in den Jahren der Coregentschaft (Jahr 5 - 20) verwendet hat.

Erstaunlicherweise wird der Pylon laut Grimal und Larché (in: Cahiers de Karnak XII, Fasz. 2, S.492, 2007) nirgendwo in den Inschriften von Hatschepsut oder in denen des Thutmosis III. erwähnt.

Kartusche "Men-kheper-ka-Ra" am 8. Pylon.

Für den Pylon musste möglicherweise das "Große Südtor" von Amenhotep I. weichen. Einige Kalksteinblöcke dieses Tores wurden in der "Cour de la Cachette" ausgegraben (Grimal, Larché, Cahiers de Karnak XII, loc. cit.7). Ein Torsturz befindet sich heute im Open Air Museum von Karnak und enthält die Angabe der Torhöhe: 20 Ellen, also ca. 10 m. Spätestens beim Bau des 7. Pylon durch Thutmosis III. wurde das Tor abgerissen.

Die Dekoration des 8. Pylonen zeigt die üblichen Darstellungen, u. a. hier auf dem westlichen (linken) Flügel der Südseite "Pharao schlägt die Feinde Ägyptens vor Amun", allerdings sind hier Amenhotep II. und sein Ka dargestellt. Überreste eines längeren und älteren Textes auf beiden Seiten des Durchganges gehen wohl auf Hatschepsut zurück, sind aber nicht zu entziffern. Amenhotep II. ließ die Fassade neu gestalten. Darüber hinaus finden sich Restaurierungstexte von Sethi I.

Südseite des 8. Pylonen
Vor der Südseite des 8. Pylonen stehen die Reste mehrerer Statuen, darunter zwei kolossale Sitzstatuen aus Kalkstein (siehe oben), diese werden auf einer eigenen Seite vorgestellt.



Das obige Foto des Westflügels zeigt neben den Statuen auch deutlich die Beschädigungen des Pylonen im Bereich der Nischen, dort, wo früher die Flaggenmasten gestanden haben. Nicht vor jedem Pylon wurden tatsächlich auch Flaggenmasten aufgestellt, auch wenn die Nischen in der Wand vorhanden waren - in einigen Fällen waren die Nischen (absichtlich ?) nicht so gebaut worden, dass Flaggenmasten hätten aufgestellt werden können. Pylone, wie der 8. Pylon der Hatschepsut, vor denen tatsächlich Flaggenmasten errichtet worden waren, erkennt man - wie im Foto oben - an den Zerstörungen der Nischen. Diese Zerstörungen gehen auf Eroberungen nach dem Ende des NR zurück - die Eroberer zündeten gerne die Flaggenmasten an. Infolge der entstehenden Hitze platzen daraufhin die Steine an den Rändern der Nischen weg.


Im Ostflügel des Pylonen (also auf der Seite zum heiligen See hin) befinden sich Tor und Treppenaufgang zum Dach. Da die Torbrücke des Pylonen jedoch zerstört ist und der Aufstieg daher überraschend und gefährlich endet (siehe folgendes Foto), ist der Zugang heute gesperrt.


Das Ende der Treppe überrascht auf beiden Seitenwänden mit Graffiti aus späterer Zeit. Die Graffiti zeigen Zeremonien vor dem 7. Pylon des Thutmosis III. Nicht jeder war privilegiert genug, um den Zeremonien im Hofe vor dem 7. Pylon beiwohnen zu dürfen, d.h. ein Großteil des Volkes wurde am 8. Pylon zurückgehalten.  Diese Graffiti stammen daher vermutlich von Besuchern, die - wahrscheinlich wie heute gegen ein Bakschisch - auf das Dach oder die Brücke des Pylonen steigen durften, um von dort aus die Zeremonien vor dem 7. Pylon Thutmosis III. zu beobachten.







Was die Besucher auf dem Dach des 8. Pylonen gesehen und in den Graffiti festgehalten haben, ist die Ansicht des 7. Pylonen, der von Thutmosis III. errichtet wurde (siehe unten).

 


Nordseite des 8. Pylonen
Vor dem Westflügel der Nordseite des Pylonen stehen neben dem zentralen Durchgang Überreste einer Statue aus Grauwacke (siehe folgendes Foto) auf einer Basis aus Sandstein, die mit dem Pylon verbunden ist. Loeben (2001) vermutet daher, dass die Statue möglicherweise noch von der Erbauerin des Pylon, Hatschepsut, beauftragt, aber wohl in ihrer Regierungszeit nicht mehr vollendet wurde. Vermutlich wurde die Statue unter einem der folgenden Herrscher "vervollkommnet", aufgrund der Beschädigungen lässt sich jedoch nicht feststellen, welchen König diese repräsentieren sollte.

Vor dem Westflügel fallen außerdem Überreste einer Einfassung (Foto oben) aus Kalkstein auf, die noch Spuren einer Beschriftung tragen (siehe Foto unten). Die Mauer steht auf einem Ziegelsockel und reicht bis zur Höhe des ersten Registers. Nach Barguet (Le Temple d'Amon-Re à Karnak, 1962) umschloss diese Mauer den ganzen Pylon. Vor dem Ostflügel der Nordseite sind keine entsprechenden Baureste zu entdecken, Reste sollen noch auf der Südseite zu finden sein.
Nach oben ist sie abgerundet wie eine Brüstung. Diese Einfassung ist einzigartig und ihre Funktion unbekannt. Die Inschrift auf der Einfassung ist jedoch stark zerstört und nicht mehr lesbar, so dass auch sie keinen Aufschluss mehr ermöglicht.

Auch die Inschriften, die Hatschepsut auf der Nordseite des 8. Pylon anbringen ließ, sind weitgehend getilgt, verändert, oder überschrieben worden.

Ostflügel der Nordseite
Auf der Nordseite des Pylonen wurden die zwei Register des Ostflügels im Namen von Thutmosis II. und die drei Register des Westflügels im Namen von Thutmosis III. "neu" dekoriert.
Auf dem Ostflügel der Nordseite, direkt neben dem Durchgang, führt in der Szene im ersten, oberen Register die Göttin Weret-Hekau Thutmosis II. nach links wo Hathor wartet und njnj macht. Dem König folgt eine von Priestern getragene Barke des Amun (siehe folgendes Foto von E. Noppes)


Im 2. (unteren) Register ist Thutmosis I. vor der thebanischen Triade Amun, Mut, und Khons dargestellt (roter Rahmen im Foto von E. Noppes unten). In seiner Rede bedankt sich Thutmosis I. bei dem inthronisierten Amun dafür, dass dieser seine Tochter Hatschepsut (später geändert auf Thutmosis II.) auf den Thron gesetzt hat (s. a. Porter&Moss II, S. 174, Szenen-Nr. 517; Text siehe Urk IV, Paragraph 271 ff.).
Diese Szene dürfte zur üblichen "Propaganda" der Hatschepsut gehören.



Weiter östlich zeigt das erste (obere) Register SethI I. vor Amun und der kleineren Götterneunheit, darunter zeigt das zweite Register Sethi I. (mit einem Restaurierungstext), der Wein opfert vor Amun und der großen, 15-köpfigen Götterneunheit.

Westflügel der Nordseite
Der Westflügel der Nordseite ist in drei Registern dekoriert worden.
Das erste Register zeigt in drei Szenen von links nach rechts die Barke des Amun, getragen von Priester, den König, geführt von Month, und den König, der von Weret-Hekau dem sitzenden Amun und dem dahinter stehenden Khons präsentiert wird. Hinter der Göttin Weret-Hekau steht Thot und "zählt die Jahre". Zwischen den Szene  finden sich Restaurierungstexte von Sethi I.
In allen drei Szenen weisen die Kartuschen Thutmosis II. als den dargestellten König aus. In allen drei Fällen dürfte es sich - wie auf dem Ostflügel - jedoch um eine nachträgliche Änderung der Kartuschen der Hatschepsut während ihrer Verfolgung handeln.
Murnane (Murnane, W.J., Tutankhamun on the Eighth Pylon at Karnak, VA 1, 1985) konnte weiterhin zeigen, dass die beiden beschädigten Barken des Amun, die auf der Nordseite des 8. Pylon dargestellt sind, nach der Amarna-Zeit von Tutankhamun restauriert wurden, bevor sie von Haremhab and schließlich Sethi I. usurpiert wurden.

Das zweite (vier Szenen) und dritte (8 Szenen) Register wurde in Namen von Ramses III. dekoriert.
 


Im Zuge der Verfolgung der Hatschepsut wurden nicht nur ihre Statuen umgewidmet und der 8. Pylon neu dekoriert, Thutmosis III. ließ zwischen dem 8. Pylon und dem Tempelbezirk von Karnak noch einen weiteren, aber deutlich größeren Pylon - den 7. Pylon - und einen Barkenschrein errichten (im Modell unten rechts vor dem  7. Pylon. Neben den größten bis dahin errichteten Schreitstatuen des Pharaos wurden hier auch noch zwei weitere Obelisken errichtet (einer davon befindet sich heute in Istanbul). 

Das obige Bild zeigt eine Rekonstruktion des Nord-Südachse mit dem 8. (vorn) und dem 7. Pylon (dahinter). Durch den größeren - aber schlechter erhaltenen - 7. Pylon des Thutmosis III. wurde der 8. Pylon der Hatschepsut zum einem kleinen Vorbau degradiert (das Bild dieser Rekonstruktion stammt von Gerard Homann).

Copyright: Dr. Karl H. Leser (Iufaa)